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Mit Essstörung in Selbstquarantäne

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Viele Menschen befinden sich derzeit in Selbstquarantäne, Zwangspause oder vorsichtiger Isolation. Für einige bedeutet das, dass sie „endlich Zeit für sich haben“.
Ein Sehnsuchtsbegriff. Für Solche, die mit sich selbst oder gewissen Teilen ihres Selbst hadern und es schwer aushalten können, kann diese Zeit Gefahren bürgen. 

Wenn - angeblich - überall gehamstert wird,  stellt sich der/die Essgestörte beispielsweise gern einmal vor, Teil - vielmehr noch - Schuld allen Übels zu sein. Denn die Essstörungsstimme zeigt sich in Zeiten der notwendigen Solidarität einmal mehr als Egozentrikerin.  Jede Reservepackung an nicht schnell verderblichen Nahrungsmitteln wie Nudeln, Reis oder Konserven wird als unweigerlicher Schritt zum  Egoismus, ja schlimmer noch brutalem Prepper-Dasein gesehen.
Das damit eine ganz normale Versorgung, die durchaus löblich ist, gewährleistet wird, wird schnell einmal vergessen.  Das ist absurd, schon klar. Krankhaft. Das lässt sich schnell von Außen sagen; die Selbstan…

"Herzscheiße" - Die Magie deutscher Liebes-Pop-Songs

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Moderne deutsche Liebeslieder erfreuen sich seit Jahren an wachsender Beliebtheit. Dennoch stellt sich immer wieder die - zum Teil als schick geltende - Nörgelei dazwischen. Zeilen wie „Du liegst in meinem Bett und schläfst. Ich bin ein Vogel und kann fliegen“ (Annenmaykantereit: „Marie“)  zu schreiben sei nicht nur auf deutsch total langweilig - zum anderen auch viel zu belanglos, sperrig - zu einfach.  Aber ist diese Einfachheit wirklich hinderlich? Im Gegenteil: Sie kann unterstützen, ja sogar heilend funktionieren! 


Damit soll kein Vergleich zwischen deutschsprachiger und fremdsprachiger Musik, bzw.   den damit verbunden Texten gezogen werden.  Für den zu beobachtenden psychologischen Effekt der Selbstidentifikation bei  deutschsprachigen HörerInnen besitzen deutsche Liebeslieder aber, im Gegensatz zu fremdsprachigen - in ihrer Weise ähnlich funktionierenden Art - einen simplen Vorteil: die Texte werden sofort ohne, wenn auch zum Teil schnell erfolgten, Übersetzungsschritt verstanden…

Absagekultur und Aktivismus?

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Die Politisierung und Handlungsbereitschaft der Jugend nimmt trotz aufkeimender Phänomene wie „Joy of missing out“ zu. Wie ist das zu erklären? 

Dass die Gesellschaft sich zunehmend ehrgeiziger im Feld der Politik, positiv wie negativ, bewegt liefert längst keinen Schlagzeilenstoff mehr. Das politische Interesse der BundesbürgerInnen steigt seit 4 Jahren kontinuierlich, so gaben in einer Umfrage von rund 25.000 Deutschen ab 14 Jahren 17 Prozent aller Befragten an sich „ganz besonders“ für Politik zu interessieren, während es 2015 noch 14 Prozent waren. (Quelle: AWA 2020). Einen maßgeblichen Teil trägt der Aktivismus der Jugend dazu bei. Als mediale Darstellung, Denkzettelschreibmaschine und Sandkorn im Getriebe der „Altenpolitik“.




Der Gegensatz ?"Sorry I'm late, I didn't wanto to come" - einer der Leitsprüche des "Jomo"-Trends

Es sind die Jahre des aktivistischen Aus-dem-Boden-Schießens und dem Entstehen eines ungeheuren Potentials, das vor allem aus der Generat…

Gefangen in der Spontaneität

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Spontaneität ist ein Ideal. Wird sie falsch verstanden, kann sie Menschen jedoch schnell unbewusst in Egoisten verwandeln. 
In alltäglichen Gesprächen mogelt sich immer häufiger ein „lass uns das spontan entscheiden“ zwischen eine Zu- oder Absage wenn sich zwei Menschen darüber unterhalten, ob ein Treffen zwischen ihnen statt finden kann, das meist vom Befragten ausgeht.  Beim Fragenden wiederum folgt eine ungefähre Planung des eigenen Tages - der verbleibenden Zeit, bis eine ordentliche Macht das Licht anknipst und „Schluss mit lustig“ ruft. 


Mit ausreichend Kommunikation könnte eine schnelle Klärung erzeugt werden.  Aus Furcht durch die „falschen" Worte verklemmt zu wirken, oder aufdringlich zu sein, findet diese aber selten in  in ihrer nachhaltigsten Form - dem persönlichen Gesprächs -  statt. Es wirkt attraktiv durchgehend beschäftigt zu sein, wiederum seit einiger Zeit geläufig und angesagt "mal Zeit für sich zu haben" und dennoch beruhigt es ungemein „Zusagen“ bei Ve…

Wenn Traurige trauern MÜSSEN

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Menschen, die mit zäher Traurigkeit oder einer Krise kämpfen, bestreiten einen täglichen Kampf, dessen Fronten sich einen steten Schusswechsel liefern und denkbar langsam verschoben werden. Eine Selbstreflexion findet noch gar nicht statt, weil das derzeitige Selbst nicht gemocht wird und das Damalige so weit weg scheint, dass es schon fast abstrakt wirkt. Das Gegenwärtige soll eigentlich nur still, ruhig - ja auf einen nüchternen Ausgangspunkt gebracht werden. Dann „kann es weitergehen.“  Selbstfürsorge, ein Trend - dessen Ausführung in richtiger Dosis essentiell ist und derzeit zum Populärwort geworden ist wird ja gewünscht, scheint aber noch in weiter Ferne, da dafür erst einmal wieder am normalen Leben teil genommen werden muss ohne - Angst zu haben, in Panik zu geraten, sich selbst zu schädigen oder schmerzhaft zu grübeln. 


(von links nach rechts): Was passiert mit mir? Was ist los? Erzähl mal 

Ein nicht unerheblicher Teil des Kampfes wird auch für das Umfeld bestritten, wenn einem …

Die Angst Neues auszuprobieren

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Es ist kalt und ein Graufilter legt sich über die ersten Tage des Jahres, bei dem man – wird er einmal durchbrochen – ganz erschrocken hochschreckt, wenn Sonnenstrahlen den ebenso dunklen Boden der Stadt berühren. Worte des Schwermuts und der Tristesse gehen leichter über die Lippen und das Wort „Winterdepression“ wird in Gesprächen nicht einmal mehr kritisch hinterfragt. Dabei liefert der Januar mit seiner unschuldigen Datumsschreibweise so viel Möglichkeiten!
Von Überall schallt es nach Neuerungen – als Garant für Glückseligkeit. 
Auf zahlreichen Lifestyle-Blogs (in diesem Beispiel: https://vanilla-mind.de/durchbrich-deine-routinen/) , werden To-Do Listen aufgeführt, die Menschen dazu ermutigen sollen, endlich einer neuen Aktivität nachzugehen (#1 in der Liste: „Probiere ein neues Hobby aus“) um glücklicher zu werden. 
Solche Ratschläge scheinen nicht an den Haaren herbei gezogen, schließlich ploppt nicht selten, in den unerwartetsten Momenten, die eine oder andere waghalsige – schon f…